Diashow - Ausschnitte - Werke Künstlerin: Susann Pfeiffer.
Portaitfotos: Mit freundlicher Genehmigung by Caroline Schreer.
Gekaufte Interior-Mock up-Lizenzen by stykke Studio (über ETSY).
Susann Pfeiffer
Künstlerin
Freie Malerei
Wuppertal
Wie bist du zur Kunst gekommen? Oder anders gefragt: In welchem Alter wurde dir bewusst, dass du im tiefsten Herzen eine Künstlerin bist und immer sein wirst?
Mit 8 Jahren. Zumindest bekam ich in diesem Alter meinen ersten "Auftrag" von meiner Tante Sonja und für das Kinderzimmer meiner damals 2jährigen Cousine. Und zwar auch so ein tolles "Wand Mural" zu malen, wie ich es in meinem eigenen Zimmer angefertigt hatte. Aus dem Auftrag wurde aber nichts. Ich weiß nicht, ob der mentale Druck für mich als 8jährige zu groß wurde, oder mein Vater plötzlich Panik bei dem Gedanken an "Kinderarbeit" bekam..
War dein Weg zum Künstlerdasein für dich immer klar oder gab es berufliche „Umwege“?
Es gab leider sehr viele berufliche Umwege. Zum einen, weil ich diesen Wunsch schöpferisch arbeiten zu wollen und am liebsten als freie Künstlerin arbeiten zu dürfen weder vor mir, noch vor meinen Eltern oder der 4,5 Jahre älteren Schwester verteidigen konnte.
Also, dass Kunst zwar als Hobby ganz nett, aber eben als Beruf doch einfach zu hart sei. Und ich das sowieso nie (!) schaffen würde! Aber diese künstlerische Ader in mir kam trotzdem immer wieder durch. Solange, bis mein Vater mich wieder "auf Spur" gebracht hatte und davon überzeugen konnte, dann doch wenigstens etwas Angewandtes -wie Grafikdesign- oder - Druckereitechnik o.ä. zu studieren. Neben der Entscheidung zwischen frei und angewandt kam halt immer wieder das "regelmässig Geld verdienen als Umweg dazwischen" und so ist es auch bis heute.
Wenn ich nicht notwendigerweise -wie jeder von uns- regelmässig jeden Monat frisches Geld für meinen Lebensunterhalt hätte verdienen müssen, oder eine Erbschaft oder reiche Eltern gehabt hätte, oder etwas "auf der hohen Kante liegen gehabt hätte", dann hätte es sicherlich keinerlei Unterbrechnungen gegeben.
Aber so habe ich eben viele "artfremde" Jobs teils auch in wirklich komplett falschen Rollen & Positionen gemacht. Die natürlich auch alle etwas mit einem machen.
Dadurch, dass jeder dazu gezwungen ist, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, ist da oftmals zuviel Druck und Gegenwind vorhanden. Und Druck ist so ziemlich das Mieseste, was einem schöpferisch tätigen Menschen passieren kann. So ist es zumindest bei mir.
Vielleicht sind meine Interessen als Neo-Generalistin aber auch einfach zu vielschichtig.
Daran kann es natürlich auch liegen.
Aufgrund der eigenen Vernunft und dem Druck aus der Gesellschaft, habe ich mir allerdings leider selbst irgendwann innerlich "verboten", freudvoll freie Kunst zu schaffen. Noch nichtmal mehr als Hobby. Es versucht, komplett aufzugeben. Oder ins Angewandte zu verlagern, was umgehend schlechte Laune in mir auslöste!
Ich bin dann aber durch diese Verdrängung der eigenen Schöpferkraft und nachdem ich wirklich sehr viele verschiedene Brotjobs und Stationen durchgemacht habe, leider an einer mittelschweren Depression erkrankt. Als dann während dieser Phase der Depression/Burnout Jemand auch noch zu mir sagte: "Ja, man kann ja schließlich auch nicht den ganzen Tag machen, was einem Spaß macht!" - Da bin ich innerlich echt ausgeflippt!
Man macht Kunst nicht in erster Linie, weil es soviel Spaß macht.
Es macht sicherlich an der ein oder anderen Stelle große Freude, das ist gar keine Frage.
Aber es ist genau so eine harte Arbeit alles in allem zusammengenommen, wie andere Arbeit auch.
Als ich dann wegen meines Burnouts über ein Jahr lang krankgeschrieben war und dann durch diese Ruhe erst wieder ins Schöpferische zurückfand, da kam dann dieser Spruch (siehe oben), echt ungelegen. Eben weil ich vorher quasi Jahrzehnte lang verdrängt hatte es zu tun, um besser "in diese Gesellschaft zu passen". Das hat mich letzten Endes die eigene Gesundheit gekostet.
Der Druck, Kunst zu schaffen, und diese dann auch umgehend zu verkaufen, weil man Geld damit machen muss.
Das ist immer so eine Sache...manche schaffen es ohne Probleme den Druck auszuhalten.
Manche nicht.
Ich kann unter Druck jedenfalls nicht schöpferisch tätig sein und ich kann meine eigene (!) Kunst auch nicht gut selbst verkaufen. Allenfalls über Social Media klappt es gut.
Es kommen so viele verschiedene Komponenten im kreativen Zwischenhirn zusammen, die für so eine kreativen schöpferischen Prozess wichtig sind, da sind Gedanken über Geld echt die Falschen. Das kann man auch wirklich nicht erzwingen. Sonst wiederholt man sich auch. Ich weiß es nicht. Oder es wird halt zur angewandten Kunst. Die man ja auch nicht will. Weil nicht schöpferisch frei. Zumindest geht es mir so.
Diese schöpferisch kreativen Gedankenprozesse, die "plötzlich über einen kommen" wie vom Universum gesendet, die dann zusammen mit einer spielerischen Leichtigkeit und im Umsetzungsprozess sich wie von Geisterhand geführt weiterentwickeln, das hat für mich einen hohen künstlerischen Wert. Das ist ein intuitiver Prozess. Auch, wenn er final noch so konstruiert aussieht.
Dafür braucht es einfach Zeit, Muße oder eine bestimmte teils repetitive Beschäftigung mit irgendwas Anderem und deshalb sind wahrscheinlich auch so viele Künstler gerne in einem "strunzdoofen", artfremden Brotjob unterwegs, der nicht viel Gehirnschmalz erfordert und haben dann eben ihre freien schöpferischen Gedanken, die sie aber nicht zwangsläufig zu einem Brotjob machen müssen, weil sie verdienen ja schon ihr Geld an anderer Stelle. Manche inspiriert der Brotjob auch. Aber die innere "Wertlosigkeit" im Sinne von "Mist, ich kann einfach kein Geld oder nur zuwenig Geld mit meiner eigene Kunst verdienen", die knabbert dann auch wieder am künstlerischen Selbst.
Deshalb ist es für mich inzwischen klar, dass ich, solange ich extern Niemanden habe, der meine geschaffene Kunst verkauft, als "Brotjob" eben etwas Anderes mache.
Aber meine Identität ist und bleibt ganz klar die einer freischaffenden Künstlerin.
Hast du von Anfang an Förderer und Fans deiner Kunst gehabt oder musstest du diese immer wieder hart erkämpfen oder erarbeiten?
Ich würde sagen bis auf meine Tante wiegesagt und vielleicht vom handwerklichen Grundverständnis her meinen Vater, habe ich keinerlei Förderer gehabt. Im Gegenteil, ich habe eher viele Kritiker gehabt, die gesagt haben, was ich alles nicht (!) kann. Und das ich vielleicht doch lieber "etwas anderes" versuchen sollte. Oder sie haben gesagt "Du kannst einfach nicht richtig malen!" Versuch es doch mal mit Fotografie! Solche lässig dahergesagten Sprüche, die wirken in mir einfach oft lange nach, weil sie so ein feines, kleines, kreatives Pflänzchen direkt im Keim ersticken können. Und dann auch wieder für eine unfreiwillige Schaffenspause sorgen können. Zumindest, wenn man noch nicht gefestigt ist.
Mir fällt aber gerade noch ein Förderer in meiner Jugend ein:
Nach der regulären Schulzeit habe ich das Fachabitur für Gestaltung in Wuppertal (FOS) gemacht und eine weitere gestalterische Ausbildung für Medien und Kommunikation und wir hatten einen Lehrer, das war der Iro Sohn, der hat mich in der Tat sehr gefördert. Auch, wenn er streng war. Er hat gesagt "Du bist wirklich gut!". Aber was du dringend lernen musst: Du musst dich unbedingt besser selbst vermarkten. Und das kannst du noch nicht. Du darfst dein Licht nicht ständig unter den Scheffel stellen." Deshalb habe ich dann auch statt der Note 1 nur eine 2 in Gestaltung bekommen, da ich mich selbst schlecht in der Prüfungspräsentation verkauft hatte. Aber ansonsten hatte ich im Gestalterischen und eben in diesem freien Zeichnen immer eine 1. In den normalen Fächern war ich allerdings eher so mittelmässig.
Als ich mich nach dem Fachabi für Gestaltung (FOS) für ein Grafikdesign-Studium bewerben sollte, weil mein Vater das so überlegt hatte, da merkte ich, dass ich (!) das eigentlich gar nicht wollte. Aber weil ich erst 17 war und gerade 18 wurde und mein Fachabitur für Gestaltung in der Tasche hatte, sollte ich dann eine Mappe machen und ich hatte einfach keine Lust diese doofe Mappe zu machen und das war für mich auch bezeichnend, dass ich eigentlich auf "Grafik Design" gar keine Lust hatte!
Ich wollte kein Grafikdesign machen.
Das war der Traum meines Vaters.
Nicht meiner.
Ich wollte eher Produktdesign oder sowas wie Interiordesign/Architektur studieren. Oder eben: Freie KUNST!
Das habe ich mir aber damals mit 18 irgendwie nicht zugetraut.
So ganz ohne "Rückenwind".
Erst als ich von zu Hause auszog mit 20, habe ich gemerkt, dass dieses freie kreative Schöpfen, dass das eigentlich mein Ding ist und dass da bei mir das Herz aufgeht und dass ich das liebe zu tun.
Wie ist es heute?
Wie vermarktest und verkaufst du heute deine Werke?
Hast du eine Galerie?
Nutzt du die sozialen Kanäle?
Welche bevorzugt?
Ich nutze Instagram und ich versuche jetzt seit kürzester Zeit wieder vermehrt Ausstellungsmöglichkeiten zu bekommen oder auch an Kunstrundgängen teilzunehmen. Seit 2024 habe ich nach einer sehr langen künstlerischen Schaffenspause erst wieder angefangen, zu malen. Und seit 2026 auszustellen.
Welche artfremden Jobs hattest du bislang in deinem Leben?
Ich habe eigentlich schon fast alles gemacht: In der Schulzeit habe ich schon immer in den Ferien in Fabriken gejobbt, weil wir kein Geld hatten, da meine Eltern die tolle Idee hatten, ein Haus zu kaufen. Und nach den Ferien kamen dann immer alle gut erholt und braungebrannt zurück und ich war blass und gestresst. Später habe ich auch mal gekellnert. Oder ich habe geputzt. Ich habe sogar mal als "Backwarenfachverkäuferin" morgens zwischen 6-9 Uhr (!) gearbeitet! Das war allerdings wirklich nicht mein Job und schon gar nicht meine Uhrzeit.
Ich habe zudem nach der gestalterischen Ausbildung (FOS & GTA) noch eine klassische Lehre als Schriftsetzerin rangehängt, allerdings rein aus finanziellen Nöten heraus. Später habe ich dann in der Blattplanung einer Tageszeitung gearbeitet.
Was noch? Selbstständige Portrait-Fotografin bin ich gewesen. Oder auch wenige Jahre als angestellte"Passbildknipserin". Da habe ich sogar teilweise die Tänzerinnen und Tänzer vom Pina Bausch Tanztheater fotografiert. Das fand ich ja schon wieder witzig. Auch als Hochzeitsfotografin gearbeitet. Das war allerdings schlimm für mich. Auch Bewerbungsfotos. Schlimm! Haha! Eine kurze Zeit als Redaktionsassistentin bei einer Tageszeitung hab ich mir noch gegeben. Das Gegenteil von dem, was ich eigentlich gebraucht hätte: Nämlich Ruhe und Einsamkeit. Danach habe ich noch mal versucht eine Teilzeitstelle als Buchverkäuferin zu stemmen. Das war allerdings auch nichts für mich, weil ich spätestens dann gemerkt habe: Ich kann einfach nicht angestellt sein und irgendwelche Dinge verkaufen!
Ich muss komplett frei sein und zwar nicht nur als Künstlerin, sondern insgesamt und deshalb habe ich mich dann noch ein zweites Mal zu 100 % selbstständig gemacht. Heute arbeite ich als freischaffende Künstlerin, Herausgeberin dieses Interviewmagazins seit 2015 und führe nach einer spezialisierten Weiterbildung im Bereich Social Media Management seit 2023 ein Unternehmen für strategisches Social Media Marketing (mit dem Schwerpunkt Storytelling). So passt und greift alles in den Bereich Kunst hinein, weil ich u.a. auch Künstlerinnen und Künstler per 1:1 unterstütze und Kurse gebe für strategisches Social Media Marketing.
Wie startest du heute in deinen Tag oder wie strukturierst du deinen Alltag?
Gibt es Rituale? Bist du Frühaufsteher oder arbeitest du am liebsten nachts in Gesellschaft oder alleine?
Also ich bin auf jeden Fall kein Frühaufsteher, ich werde zwar sehr früh wach, zwischen 6-7 Uhr, aber sitze dann tatsächlich erst noch in meinem Bett und schreibe. Ich schreibe und schreibe und schreibe. Schreibe u.a. die sogenannten "Morgenseiten". Diese geniale Methode habe ich aus dem Buch von Julia Cameron. "Der Weg des Künstlers heißt es". Die Morgenseiten sind quasi wie eine Art Gehirnentleerung inklusive fokussierter Reflektion und dem automatischen Finden neuer Ideen in einem und die andere dazugehörende Methode sind die sogenannten "Künstlertreffs". Das sind quasi Ausflüge, die du nur mit dir alleine unternimmst. Zur Zerstreuung gedacht. Die perfekte Kombi.
Welche Voraussetzungen müssen denn gegeben sein, damit du deine Arbeit beginnen kannst?
Arbeitest du täglich schöpferisch oder handwerklich?
Ich brauche absolute Ruhe bzw. muss allein und ungestört sein und brauche Zeit. Auch eine gewisse Form des "Unbeobachtetseins" ohne Zeitdruck ohne innere oder äußere Konflikte. Witzigerweise entwickle ich allerdings in Konfliktsituationen zunächst Prosa statt Bildnerisches. Denn damit kann man sich prima abreagieren!
Ich hatte auch für die Kunst schon mal einen externes Atelier angemietet, da war aber ständig irgendwie was los und ständig klopfte einer an die Tür oder wollte einen Kaffee trinken und reden und meine Ateliernachbarin hat laut Musik gehört und rhythmisch an die Wand gemalt in Actionpainting-Manier und da konnte ich einfach selbst nichts hinkriegen. Da konnte ich nicht schöpferisch tätig sein und deshalb musste ich das dann wieder aufgeben.
Ansonsten ich bin einfach gerne in Ruhe und alleine.
Welche Materialien nutzt oder bevorzugst du für deine Kunst? Aktuell seit 2024 arbeite ich mit Acrylfarben auf Leinwand und früher habe ich eben Fotosets arrangiert, abfotografiert und das Ergebnis auf Leinwand oder andere Träger drucken lassen.
Da hatte ich quasi eine Werkserie zwischen 2001-2005, die hieß "Faszination Puppe". Da habe ich tatsächlich inszenierte Fotografie gemacht und ein Set aufgebaut und das dann fotografiert und dann auf entsprechende Bildträger drucken lassen. Ich hätte auch nicht gewusst, wie ich das malerisch hätte umsetzen sollen. Diese Ideen..
Auch heute vor dem eigentlich handwerklichen Malprozess "spiele" ich digital und werde dann konkreter und erst dann setze ich es handwerklich in Acryl auf Leinwand um. Oder aber ich mache Skizzen ins Skizzenbuch mit Kugelschreiber und Aquarellfarbe oder mit schwarzer Tinte oder Fineliner und Aquarellfarbe.
Ich habe meist ein grobes Konzept im Kopf bzw. ich spiele erst, dann entwickelt sich daraus ein Farbkonzept und dann experimentiere ich eigentlich sehr gerne mit Farben und Formen.
Arbeite teils auch nach selbst gemachten Fotovorlagen und dann setze ich das quasi wie eine klassische Handwerkerin maßstabsgetreu auf Leinwand um.
Gibt es ein Hauptthema in deinem künstlerischen Schaffen oder gibt es Thematiken, die immer wieder an neuen Stellen auftauchen?
In meinen eigenen Texten (u.a. auch für Kinderbuchideen) kommen immer wieder Tiere vor, als Ersatz für Menschen.
In meiner bildnerischen Kunst sind es die menschenleeren, architektonischen Räume. Aber trotzdem verabeite ich damit auch zwischenmenschliche Konflikte oder auch gesellschaftliche Themen wie den Klimawandel. Auch, wenn es auf den ersten Blick nicht danach aussieht.
Es gibt durch die lange Unterbrechungen in meinem Leben durch die falschen Jobs & zuviel Stress auch erst zwei bzw. drei sehr verschiedene Werkzyklen. 1993-2000 dann 2001-2005 und 2024-bis heute (2026).
Ich habe ja gerade schon erzählt, dass ich von 2001 bis 2005 künstlerische Fotografie betrieben habe und zwar mit einer Puppe, die man in den 70ern und 80erm wahrscheinlich in so ziemlich allen Kinderzimmern gesehen hat. Die habe ich heiß und innig geliebt und ich habe sie gesammelt, die gute alte, kleine Plastikpuppe. Mittels dieser Puppe habe ich Szenen nachgebaut bzw. diese Puppe allen möglichen "Versuchsreihen" ausgesetzt. Das war schon ein bisschen strange..
Ich habe sie in rote Farbe getaucht. Ich habe sie im Matsch liegend fotografiert. Ich habe sie in Wasser eingefroren und in einen Eisblock verwandelt aus der nur schemenhaft noch etwas zu erkennen war. Ich habe ihr die Haare abrasiert und diesen Rasur-Prozess als eine Art Fotoreportage festgehalten. Vielleicht war es keine gute Idee, dass man mich als Kind schon vor den Fernseher u.a. mit aktenzeichen xy gesetzt hat...
Dieser Werkzyklus war -im Nachgang betrachtet- wohl eine Auseinandersetzung mit dem Thema "Maskierung", die mir als Kind bei manchen Menschen in meinem familiären Umfeld sehr stark aufgefallen ist. Du hast als Kind nur immer gefühlt, dass da was nicht stimmt. Das, was Jemand sagt und das was ich fühle. Ich fühlte als Kind auch immer zuviel. War viel zu "empfindlich". Verstand diese Ambivalenz nicht. Etwas, dass vor uns als Kindern verborgen werden sollte. Diese Ambivalenz habe ich wohl mit diesem Werkzyklus versucht künstlerisch zu verarbeiten. Die Puppe verlor also nie die makellose Schönheit oder das Lächeln. Egal, was man ihr "angetan" hatte. Von Selbstmordversuch, über Missbrauch , über wirklich schlimme Frisur-Rasur-Haar -Katastrophen. Also wirklich eigentlich grausame Bilder habe ich geschaffen, die ich aber trotzdem versucht habe final in einem schönen Kontext zu präsentieren oder witzig zu präsentieren. Das wurde schon sehr kontrovers diskutiert damals...
Der aktuelle Werkzyklus, viele Jahre später, ist jetzt seit 2024 diese Darstellung von architektonischen Räumen und quitschbunten Farben und Bildausschnitten. Von Räumen, die ich farbverfremdet und verzerrt darstelle. Dabei mit Licht und Schatten spiele. Die aktuelle Serie heißt "Sunny Apocalypse", weil in dieser Bilderserie der Mensch komplett verschwunden ist. Als hätte er sich durch sein verantwortungsloses Verhalten selbst abgeschafft. Und so sind dann eben nur noch künstlich verstrahlte Bauwerke da...
Moderne Bauwerke, die aber durch ja vielleicht radioaktive Strahlung oder was auch immer farblich verfremdet sind...Also es klingt grausamer als es ist. Die Bilder sind eigentlich sehr farbenfroh und ruhig und harmonisch. Die Intention dahinter ist aber tatsächlich eine andere.
In welcher künstlerischen Disziplin bist du sonst noch tätig?
Ich drücke mich in liebend gerne "per Text" aus. Ich schreibe lieber, statt zu reden. Ansonsten, wenn beides nicht funktioniert, dann funktioniert es eben bildnerisch. Ich habe auch ständig neue Eingebungen und Ideen für Kinderbücher. Aber die Zeit für die Umsetzung nehme ich mir tatsächlich nicht. Es ist einfach zu zeitintensiv in der Umsetzung, der langen Überarbeitung und Veröffentlichung. Und so warten diese vielen Ideen darauf, dass sie wahrscheinlich ein anderer Autor schreibt und ich sie dann endgültig begraben muss...so ist es wohl.
Was tust du, wenn dich eine Schaffenspause oder Schaffenskrise erwischt? Hast du einen Tipp wie man wieder kreativ wird?
Ich selber gehe dann immer Duschen. Tatsächlich, ich gehe unter die Dusche und da fallen mir oft Lösungen für Probleme ein oder ich bekomme neue Ideen. Allerdings habe ich so selten künstlerische Schaffenskrisen. Mein ganzes Leben ist gefühlt eine einzige Schaffenskrise. Dadurch, dass ich mir eben zu selten gönne, wirklich Kunst zu machen!
Was oder wer treibt dich an?
Verarbeitungsprozesse, die unterschwellig in mir arbeiten. Schreibphasen finden bei mir in Konfliktsituationen statt. Ich versuche es schriftlich in Metaphern zu verarbeiten, indem ich es in eine kleine Geschichte oder Kurzgeschichte packe. Oder in einen ganz anderen, metapherlastigen fast kinderbuchartigen Kontext mit Botschaft setze.
Keine Ahnung, also da ist auch nicht mein Wille, das zu veröffentlichen, zumindest noch nicht.
Vielleicht kommt das dann noch mal, aber ja, also so versuche ich Konflikte zu bewältigen. Indem ich schreibe.
Gut, andere drehen Gruselfilme oder Psychothriller. Ansonsten treibt mich wirklich erst eine gewisse Form der Langeweile an. Erst dann fange ich an "zu spielen"...Diese gepflegte Langeweile, die ein Künstler nunmal braucht, die habe ich nur leider viel zu selten. Es gibt halt immer irgendwie was zu tun und da ist eben dieser Aspekt, dass ich es mir einfach schon gedanklich nicht gönne, weil ich dann ein schlechtes Gewissen habe. Zuviel Freude darf es einfach nicht geben.
Was inspiriert dich für den eigenen schöpferischen Prozess am meisten?
Erlebnisse, Erfahrungen, wirklich starke Emotionen oder auch Konflikte, die ich erlebt habe. Aktuell durch die vielen Dinge, die teils in der Familie oder mit Freunden, aber auch in der Welt so los sind. Die ich dann versuche, bildnerisch umzusetzen oder auch schriftlich als Text oder in Geschichten.
Was zerstört deinen Schaffensflow umgehend?
Wenn ich einfach nicht in den fokussierten Tunnel komme. Weil etwas Unvorhergesehenes passiert oder Jemand meint, meine Zeit für mich mit zu verplanen. Da werde ich fuchsteufelswild. Aber WENN ich dann im richtigen Flow bin, dann stört mich fast gar nichts mehr. Ansonsten zerstören schon andere Menschen meinen Schaffensflow, meistens, indem sie irgendwie einfach da sind und ich das fühle oder mich beobachtet fühle, selbst wenn ich sie nicht sehe.
Areitest du konzeptionell und setzt du handwerklich um oder eher intuitiv aus dem Bauch heraus?
Es startet eher mit Impulsen oder spontanen Einfällen oder Ideen, die ich dann ganz schnell notiere oder sie digital spielerisch umsetze. Dann während der Umsetzung auch noch weiter mit der Thematik, mit Farben und Formen rumspiele und dann wird es brav handwerklich umgesetzt. Ich arbeite nach von mir gemachten Fotos, die ich dann digital malerisch verfremde.
Wann ist etwas richtig gute Kunst für dich?
Wenn ich fasziniert vor einem Werk oder in einer Installation stehen bleibe und einfach nur total geflasht bin. Totales Kopfkino stattfindet. Ich weiß noch, dass ich einmal in einer Ausstellung von Gregor Schneider war. Eine Raum-Installation der unangenehmen Art. Da fühlte man sich teils wie in einem Gefängnis. Da waren so schmale Flure mit ganz vielen Türen und man musste durch verschiedene Räume gehen. Es gab keinen Weg zurück. Also wenn man eine Tür einmal durchschritten hat musste man weitergehen. Es war teilweise stockfinster.Da musste man sich dann durchtasten, kam dann wieder irgendwo raus. Das war im Ständehaus Düsseldorf K21, genau. Am Ende ist man dann quasi an dem Teich vor dem Ständehaus durch das Öffnen einer Tür aus dem Dunkeln herausgekommen und das fand ich so genial. Es war wie in so einem schlechten Traum aus dem man erwacht ist, weil die Tür aufging und das Tageslicht wieder da war und man war wieder "in Freiheit". Also so eine Art von Installation finde ich einfach nur wahnsinnig gut durchdacht und ausgeführt.
Auch entsprechend gute Filme sind wahre Kunst für mich.
Wann und wo genau war deine erste und wann und wo war deine kürzlich letzte Ausstellung?
Meine erste Ausstellung war tatsächlich in einer Kneipe/Club namens "The Pips" in Berlin-Mitte (Auguststraße) im Jahr 2004. Da war ich allerdings bereits 32 Jahre alt. Da wurde sogar eins von meinen Kunstwerken gestohlen und ich war damals noch nicht in der Lage, vernünftige Verträge oder irgendwas auszuhandeln oder etwas Gestohlenes gerichtlich wieder einzuklagen. Wer weiß, wo es heute hängt?? Die 2. dann in einem Art Hotel in Hamburg an der Reeperbahn. Irgendwie standen die auf mein Kunst an der Puppe. Es passte auch gut hin.
Und meine letzte Ausstellung jetzt mit zum aktuellen Werkzyklus war im Juni 2026 zum kunstkiez. Das ist ein kleiner Kunstrundgang in Wuppertal, der u.a. von der Galeristin Nicole Bardohl mit konzipiert wird auf dem Ölberg in der Nordstadt in Elberfeld. Genau da, wo meine Vorfahren väterlicherseits bereits im 19. Jahrhundert lebten und arbeiteten.
Warum sollten die Menschen deine Kunst kaufen?
Die Menschen, die meine Kunst kaufen, kaufen sie, weil es etwas in ihnen auslöst. Oder weil es in ihr farbliches Deko-Konzept oder Leben oder Wohnung passt oder weil sie sich durch meine Kunst angesprochen fühlen, Kopfkino oder gute Laune bekommen oder einfach beruhigt sind, wenn Sie auf das Bild schauen. Es einfach gut finden. Es etwas mit ihnen macht.
Wie gehst du mit Kritik an deinem Werk um?
Wie gesagt, ich bin sehr sensibel in die Richtung.
Und wenn eine neue Idee bei mir noch nicht ganz ausgereift ist und ich gehe damit schon zu früh "nach draußen" obwohl es noch so "ein zartes Pflänzchen" ist und jemand kritisiert mich in irgendeiner Form, egal ob konstruktiv oder destruktiv, dann kann das dazu führen, dass ich vorschnell wieder aufgebe und deshalb mache ich das inzwischen nicht mehr, dass ich das zu schnell zeige. Das muss erst gefestigt sein. Da muss sozusagen ein innerer Schutzwall drum herum gebaut sein, dass da niemand mir vorschnell etwas kaputt machen kann.
Welche Träume möchtest du dir mit deiner Kunst noch erfüllen oder welche ZIele erreichen?
In einem feinen Kunstmuseum dauerhaft zu hängen, würde mir schon gut gefallen. Oder einen vielleicht sogar prominenten Sammler zu haben, der meine Werke sammelt und in seinem tollen Haus oder Wohnung ausstellt wo zudem viel prominenter Besuch ist. Natürlich stellt sich jeder Künstler vor, am liebsten in einer tollen Galerie ausstellen zu dürfen oder in einem tollen Museum, einem Schloss oder einem Kunst-Bunker.
Die unterschiedlichsten Orte finde ich können für Kunst Sinn machen und ein tolles Ziel sein.
Vielleicht sogar ein eigenes Museum / ein eigener Ort nach meinem Tod? Jetzt werde ich aber übermütig!
Was war der beste Ratschlag, den du für deine eigene Arbeit je erhalten hast?
Als ich gesagt habe, ich wäre so gerne eine freischaffende Künstlerin, da hat mir jemand geantwortet:
Du BIST bereits eine freischaffende Künstlerin!
Hast du künstlerische Vorbilder und wenn ja, welche?
Absolut. Edward Hopper, David Hockey, Imi Knoebel. Und im Bereich der Installation: Gregor Schneider. Auch sehr viele Weitere, die mir jetzt aber gerade nicht einfallen.
In welchen Lebensphasen schaffst du am ehesten Kunst? Eher wenn du etwas verarbeiten musst, Konflikte, Politisches, Trauer, oder wenn du glücklich zufrieden, satt, respektive entspannt bist, zum Beispiel im Urlaub?
Wie gesagt, Konflikte verarbeite ich mit dem geschriebenen Wort und in Kurzprosaform und ansonsten bildernisch eher dann, wenn ich glücklich, zufrieden und "leicht gelangweilt" bin und viel Zeit habe. Die kreativen Synapsen aktiviert werden.
Bist du interdisziplinär unterwegs? Oder in weiteren Disziplinen? Also schreibst du zum Beispiel auch oder arbeitest du mit verschiedenen Materialien wie Keramik, tuftest Teppiche, arbeitest mit Stoff oder anderen Materialien?
Ja, wie gesagt, ich schreibe auch. Aber ich kombiniere es jetzt nicht mit meiner Malerei. Das geschriebene Wort bleibt zudem meistens besser in meiner Schublade. Ich arbeite auch sehr gerne mit Ton und arbeite an Köpfen/Büsten. Aber das ist mir meistens zu zu dreckig, da ich kein richtiges Atelier habe, wo man Dreck machen und liegen lassen kann und deshalb arbeite ich am liebsten digital mit dem iPad und setze dann handwerklich um. In Acryl auf Leinwand...Zumindest aktuell.
Ich fotografiere auch, in erster Linie aber und inzwischen eher "vorbereitend" für das gemalte Werk. Nicht mehr wirklich künstlerisch. Das hat mir mein "Passbildknipserjob" irgendwie madig gemacht.
Welche Charaktereigenschaft sollte eine bildende Künstlerin bzw. Künstler deiner Meinung nach bezüglich des eigenen Erfolgs bestenfalls mitbringen und welche besser nicht?
Sie oder er sollte wirklich mutig sein. Und willenstark. Und gleichzeitig lässig. Ausdauernd und natürlich schöpferisch frei und kreativ! Er sollte oder sie sollte sogar etwas frech sein, sich was trauen. Keine Angst vor Kritik oder der Resonanz haben. Er sollte allen Themen gegenüber aufgeschlossen sein. Wie eine Art Wissenschaftler:in. Keine Furcht vor Konsequenzen haben, all die Dinge in seinem Kopf zu erforschen und als Kunstwerk auszudrücken und selbstbewusst zu zeigen. Allen Widrigkeiten zum Trotz. Und dann bestenfalls noch gut und medienwirksam darüber reden können. Sich selbst und seine Kunst gut und selbstbewusst verkaufen können.
Was er oder sie besser nicht tun sollte? Zu lange abwarten. Bis Andere all die Ideen umgesetzt haben, die doch eigentlich die eigenen waren... ;))
In welchen Lebensjahren oder in welchem Alter deiner Laufbahn warst du in deinem Schaffen bislang am produktivsten?
Ja zunächst so in einem Alter von Anfang 20 bis Anfang 30 und jetzt aktuell mit bzw. ja seit Mitte/Ende 40 und bis heute immer phasenweise mehr, dann wieder weniger.
Was war der Grund für Schaffenspausen?
Dass liebe Geld. Ich musste Geld verdienen und dann so manches Mal in der Vergangenheit auch nervige, artfremde Jobs machen.
Wie viele Werke hast du in deinem Leben bislang geschaffen?
Zu wenig.
Was hältst du davon, dein künstlerisches Lebenswerk für die Nachwelt einfach selbst zu gestalten? Im Sinne einer Autobiographie z.B.
Ich denke das kann dann bei Interesse "die Nachwelt" gerne machen. Aber ich habe ja genug Zettel, Skizzenbücher und Tagebücher vollgekritzelt, da kann man sicherlich was draus machen. Obwohl...ich sollte echt mal leserlicher schreiben!
Zum Schluss unsere Rubrik
kurze Fragen kurze Antworten,
Dein aktuelles Lieblingsbuch?
Ich lese von Brotberufs wegen viele Fachbücher. Aber zur gepflegten Unterhaltung darf man mir gerne und so gut alles von Patricia Highsmith auf den Nachttisch legen. Ein aktuelles Lieblingsbuch? Vielleicht noch "Bartleby der Schreiber", von Herman Melville.
Dein Mantra oder Lieblingsspruch Zitat lautet:
Da hab ich mindestens 2:
"Mache die Dinge AUS Liebe, nicht FÜR Liebe."
"Arbeite, als ob du kein Geld bräuchtest."
Deine nächste Reise geht am liebsten wohin?
Griechenland. Ich mag die Kykladen wie Naxos z.B. sehr.
Was hast du immer im Kühlschrank?
Alles, was mein Herz begehrt.
Wie definierst du Luxus?
Viel Zeit UND viel Geld und dazu: Bei bester Gesundheit und unter Wohlgesonnenen zu sein.
Mein Leben ohne Kunst wäre...
... für mich absout trostlos, traurig und sinnlos.
Deine Kunst ist...
...farbenfroh und manchmal auch ein bisschen strange...
Das Leben ist zu kurz, um...
... es als "ewiges Opfer der Umstände" mies gelaunt zu verbringen...

Susann Pfeiffer
Malerei - freie Fotografie - Text & Illustration
Jahrgang:
1972
Geburtsort:
Radevormwald
Wohnort:
Wuppertal






